14.04.2026 27

Retrofit oder Neuinstallation: Wie wählt man den richtigen Ansatz für die Einführung von Smart Metering?

Betrachten wir ein Projekt mit 3.000 Messstellen. In der Berichterstattung wirken sie oft gleich, in der Praxis befinden sie sich jedoch in unterschiedlichen Rahmenbedingungen: Ein Teil der Zähler ist in Kellern älterer Gebäude installiert, ein Teil in Neubauten mit organisierten Zählerschränken, ein Teil auf Industrieanlagen, und ein Teil ist über einen Stadtteil oder eine ganze Stadt verteilt. Das Ziel ist dabei stets dasselbe: Die Messwerte sollen regelmäßig mit vorhersehbarer Datenqualität und ohne kontinuierliche manuelle Unterstützung durch Betriebsteams in das Abrechnungssystem gelangen.

In dieser Phase hängt die Entscheidung in der Regel nicht davon ab, „welches Protokoll populärer ist“, sondern von der grundlegenden Implementierungsstrategie. Ein möglicher Ansatz ist Retrofit: die Nachrüstung bestehender Messgeräte mit Funkmodulen und Sensoren bei gleichzeitiger Beibehaltung des vorhandenen Zählerbestands. Die Alternative ist eine Neuinstallation, bei der Geräte ausgetauscht und die Messarchitektur neu aufgebaut wird. In der Praxis erweist sich meist die Lösung als effektiver, die besser zum Objekttyp und zu den organisatorischen Rahmenbedingungen passt.

Warum die Digitalisierung der Ressourcenerfassung zu einer Grundanforderung wird

Der Übergang zu Smart Metering wird heute weniger durch den „Wunsch nach Automatisierung“ bestimmt als durch praktische Faktoren: steigende Anforderungen an die Transparenz der Abrechnung, Kundenerwartungen an Online-Services, die Notwendigkeit, Verluste und Anomalien schneller zu erkennen, sowie die allgemeine Digitalisierung der Prozesse bei Versorgungsunternehmen und Gebäudeverwaltungen. Vor diesem Hintergrund werden die Fernauslesung von Zählerständen und zentralisierte Analytik zum Standard, an den sich schrittweise sowohl regulatorische Ansätze als auch Erwartungen der Verbraucher angleichen.

Laut Transforma Insights (IoT Forecast Database, 2026) nimmt die Integration von Smart-Stromzählern bis 2035 im Vergleich zu 2025 deutlich zu. Die Karte zeigt, dass das Einführungsniveau 2025 je nach Land stark variiert: Einige Märkte weisen bereits einen hohen Anteil „smarter“ Zähler auf, während die Integration in anderen Regionen moderat oder niedrig bleibt. In der Prognose für 2035 wird die Färbung auf dem größten Teil der Karte deutlich gleichmäßiger und „dunkler“, was den Trend zu einer breiteren Einführung und zu einer schrittweisen Angleichung des Digitalisierungsgrads zwischen den Regionen widerspiegelt.

Globale IoT-Prognose für Smart Meter, 2025–35 

Die zweite Grafik von Transforma Insights zeigt das Wachstum der global installierten Basis von Smart-Zählern für Strom, Gas und Wasser in den Jahren 2025–2035. Die Darstellung weist auf eine stabile Entwicklung hin (CAGR 6% ist angegeben) und auf einen Anstieg der Gesamtbasis von einem Niveau etwas über 2 Mrd. im Jahr 2025 auf nahezu 4 Mrd. bis 2035, wobei alle drei Bereiche beitragen – Strom, Gas und Wasser.

 

Globale IoT-Prognose für Smart Meter, 2025–35

Objektprofile: wo jede Strategie ihre Stärken hat

In älteren Gebäuden und an Standorten mit eingeschränktem Zugang zu Zählern wird die Organisation der Arbeiten häufig zum Schlüsselfaktor. Wenn ein Messgerät in einer Wohnung, einer verschlossenen Nische, einem Keller oder einem Technikraum installiert ist, wo es schwierig ist, regelmäßige Begehungen und schnelle Abstimmungen zu gewährleisten, kann Retrofit der realistischste Weg sein, Daten innerhalb akzeptabler Zeiträume zu erhalten. Unter solchen Bedingungen sind die Kompatibilität mit konkreten Zählermodellen, eine reproduzierbare Montage und die Möglichkeit, Eingriffe zu erkennen, wichtig.

In neuen Wohnanlagen ist es meist einfacher, ein geeignetes Messkonzept im Voraus zu planen. Der Zugang zu den Geräten ist häufiger standardisiert, und die Platzierung der Geräte sowie die Anbindung an die Plattform lässt sich bereits in der Inbetriebnahmephase des Objekts vorsehen. Gleichzeitig kommt auch hier ein hybrider Ansatz vor: Ein Teil der Zähler wird von Anfang an als „smart“ ausgewählt, ein anderer Teil wird mit Funkmodulen nachgerüstet, wenn dies für bestimmte Gerätetypen oder Betriebsszenarien sinnvoller ist.

Auf Industrieanlagen kommen Anforderungen hinzu, die mit Umgebung und Betrieb zusammenhängen. Wichtig sind in der Regel Widerstandsfähigkeit gegenüber anspruchsvollen Bedingungen, Ereignisüberwachung, stabile Konnektivität und eine korrekte Integration in Leitstände oder SCADA. Wenn die Kommunikationsinfrastruktur unter Kontrolle des Auftraggebers steht, wird häufiger auf Steuerbarkeit und Vorhersehbarkeit abgezielt statt auf minimale Startkosten.

Für verteilte Messstellen innerhalb eines Stadtteils oder einer Stadt wird der Ansatz häufig um die Datentransportebene herum aufgebaut. Je nach Abdeckung und Wirtschaftlichkeit des Projekts stützt man sich entweder auf das Netz des Betreibers oder baut dort ein eigenes Netz auf, wo die Konzentration der Messstellen dies rechtfertigt.

Retrofit: was vor Ort in der Praxis passiert

Von außen kann Retrofit wie eine einfache Operation wirken: Das Gerät wird angeschlossen und die Daten beginnen einzugehen. In der Praxis ist es jedoch eine Abfolge von Entscheidungen, von denen jede das Ergebnis beeinflusst. Wichtig ist, Impulse oder das Signal des Zählers korrekt zu erfassen – also Sensor und Anschlusskonzept für das jeweilige Zählermodell auszuwählen. Anschließend muss eine zuverlässige Montage und Fixierung sichergestellt werden: Die Datenqualität in Retrofit-Projekten hängt oft weniger von der Elektronik ab als von der Stabilität der Installation, der korrekten Erfassung und dem Schutz vor unbeabsichtigter Verschiebung oder Eingriffen. 

Der nächste Schritt ist die Aktivierung, die Erstprüfung der Messwerte und die Abstimmung der Daten mit dem Abrechnungssystem. Selbst bei stabiler Verbindung kann ein Fehler in Koeffizienten oder Einstellungen zu strittigen Abrechnungen führen. Daher begleiten in reifen Projekten Datenvalidierung und Qualitätskontrolle in der Regel die Skalierung.

Neuinstallation: warum „technisch korrekter“ nicht immer „schneller“ bedeutet

Eine Neuinstallation führt häufig zu einer stärker vereinheitlichten Architektur: Der Gerätebestand wird auf einen einheitlichen Standard gebracht, Modelle und Wartungsanforderungen werden definiert, und ein einheitlicher Mess- und Datenpfad wird aufgebaut. Dies erfordert jedoch in der Regel mehr Zeit und organisatorische Ressourcen. Der Austausch der Geräte umfasst Inbetriebnahme, Registrierung, Dokumentationsprozesse und Garantieprozesse. Im Wohnbestand wird der Zugang zu einer großen Anzahl von Räumen zu einem zusätzlichen Faktor. Daher ist eine Neuinstallation häufiger dort vorzuziehen, wo das Objekt dafür vorbereitet ist, wie bei Neubau, Sanierung oder standardisierter Infrastruktur.

Typische Risikopunkte für beide Ansätze

Für Retrofit sind vor allem Risiken typisch, die mit Kompatibilität und korrekter Erfassung (das „Sensor/Zähler“-Paar), der Montagequalität und den realen Funkbedingungen am Installationsort zusammenhängen. Für Neuinstallationen sind häufiger Zeitpläne, Abstimmungen und der massenhafte Zugang zu Messstellen kritisch – das sind vor allem organisatorische Faktoren, die den Projektzeitplan deutlich verschieben können. 

Diese Unterschiede erklären, warum im Jahr 2026 zunehmend kombiniert Strategien eingesetzt werden. Innerhalb eines Projekts können Retrofit im Altbestand, Neuinstallation in Neubauten und auf Industrieanlagen sowie ein hybrides Modell für verteilte Gebiete gleichzeitig anwenden.

Rolle von Konnektivität und Abdeckung

Aus Betriebssicht ist Konnektivität vor allem die Antwort auf die Frage, wie zuverlässig ein Gerät Daten von einem konkreten Standort übertragen kann. In manchen Fällen ist es praktischer, sich auf die Infrastruktur des Betreibers zu stützen, um kein eigenes Netz aufzubauen. In anderen Fällen ist es rationaler, ein Netz vor Ort aufzubauen und die Abdeckung zu steuern, insbesondere wenn es viele Messstellen gibt und sie in einem Gebiet konzentriert sind. Deshalb wird die Datentransporttechnologie üblicherweise anhand des Funkumfelds ausgewählt: Kellerbereiche, Metall, dichte Bebauung, entfernte Messstellen.

What it looks like with Jooby: four cases with different implementation logic

Um die Schlussfolgerungen praxisnah zu gestalten, lohnt es sich, Implementierungsbeispiele anzusehen.

In Slowenien, im Projekt Domplan, war die Ausgangssituation manuelle Gasmessung und eingeschränkter Zugang zu den Zählern. Für diesen Fall wurde ein NB-IoT-Retrofit mit Datenübertragung an die Plattform eines Partners gewählt. Im Projekt wurden 1.000 autonome NB-IoT-Geräte verschiedener Ausführungen eingesetzt, darunter Jooby-Geräte mit NB-IoT-Technologie für unterschiedliche Zählertypen und Installationsszenarien. Dieses Beispiel zeigt, dass man mit der Digitalisierung beginnen kann, ohne den Zählerbestand auszutauschen. 

Wie es bei Jooby aussieht: vier Fälle mit unterschiedlicher ImplementierungslogikProjekt Moldovagaz war der Umfang deutlich größer: Es ging um die Installation von 12.000 Jooby-Funkmodulen, die mit LoRaWAN-Technologie arbeiten, in mehrstöckigem Wohnbestand, einschließlich der Bereitstellung von Basisstationen und der Organisation des Fernzugriffs auf Daten. Dieser Fall zeigt, wie bei großen Volumina die Rolle der Infrastruktur, der Standardisierung der Anschlüsse und der Reproduzierbarkeit des Prozesses über Tausende von Messstellen hinweg zunimmt. 

Ein weiteres Szenario ist ein Pilot in dem neuen Wohnkomplex „Wostok“ (Odessa). Dort wurde ein für Neubauten typisches Modell getestet: Es wurden 150 mehrtarifige einphasige MTX-Stromzähler mit integriertem LoRa-Funkmodul sowie 60 Jooby-Funkmodule mit zwei Impulseingängen für Wasserzähler installiert. Die Daten wurden im Jooby RDC Dashboard zusammengeführt, und die Übertragung wurde über die LoRaWAN-Basisstationen des Providers organisiert. Dieses Beispiel zeigt, wie sich in einem Neubau schnell ein digitaler Mess- und Datenpfad aufbauen lässt und wie Transparenz sowohl beim Verbrauch als auch beim Gerätestatus erreicht werden kann. 

Schließlich veranschaulicht der Fall Sombor Gas (Serbien) die verbreitete Trajektorie „Pilot → Skalierung“. Das Unternehmen begann mit einer Testeinführung: Es wurden 30 Jooby EPHIR RMS GMEL10 102 EU Geräte installiert, danach wurde eine Erweiterung auf 5.000 Gaszähler mit Integration in die interne Software des Auftraggebers geplant. In solchen Projekten ist die zentrale Frage, wie stabil der gesamte Datenpfad von der Installation bis zum Reporting im System funktioniert und wie reproduzierbar der Prozess bei der Skalierung ist.

Wie Jooby beide Szenarien unterstützt

Der praktische Wert von Jooby besteht darin, dass die Lösungen des Unternehmens sowohl für Retrofit als auch für Neuinstallationen geeignet sind. In Retrofit-Projekten sind in der Regel Kompatibilität, reproduzierbare Montage und Implementierungsgeschwindigkeit wichtig; dafür werden Funkmodule und Sensoren für gängige Zählermodelle eingesetzt. In LoRaWAN-basierten Projekten ist es wichtig, vor Ort ein Netz aufbauen zu können (einschließlich Basisstationen/Gateways) und die Daten in einer Plattform zusammenzuführen, wo sie überwacht und in Abrechnungs- oder Leitsysteme integriert werden können. In NB-IoT-Projekten liegt der Fokus häufiger auf einer schnellen geografischen Abdeckung durch das Betreiber-Netz und auf der Integration der Daten in bestehende Kundensysteme.

Mini-Leitfaden zur Auswahl

Wenn man die Auswahl auf eine allgemeine Logik reduziert, eignet sich Retrofit häufiger dort, wo Zähler bereits installiert sind, der Zugang eingeschränkt ist und ein Austausch des Gerätebestands die Zeitpläne verlängert und Abstimmungen erschwert. Eine Neuinstallation ist häufiger bei neuen Objekten und bei Sanierungen gerechtfertigt, wo von Anfang an ein einheitlicher Standard vorgesehen werden kann. Für die Datentransportebene wird ein ähnlicher Ansatz empfohlen: Verteilte Objekte lassen sich oft einfacher durch Nutzung des Betreiber-Netzes abdecken, während Gebiete mit hoher Messpunktdichte besser durch ein eigenes Netz bedient werden, das auf die konkreten Funkbedingungen ausgelegt werden kann. 

Selbst wenn die Entscheidung naheliegend erscheint, bestimmen beim Smart Metering reale Bedingungen vor Ort sehr viel. Deshalb ist nach der Festlegung der Strategie häufig ein Pilot mit 50–200 Messstellen ein praxisnaher Schritt: Das reicht aus, um das Funkumfeld zu bewerten, Montageszenarien zu prüfen, die Datenqualität zu bestätigen und die Integration in das Abrechnungssystem zu justieren. Nach dem Pilotprojekt wird klarer, wo Retrofit bessere Ergebnisse in Bezug auf Zeitplan und Kosten liefert, wo eine Neuinstallation gerechtfertigt ist und in welchen Segmenten ein hybrider Ansatz sinnvoll ist.

 

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