05.01.2026 39

Trends der städtischen Automatisierung: Warum LPWAN nicht nur Zähler betrifft

Die digitale Transformation der städtischen Infrastruktur geht längst über die „Fernablesung“ hinaus. LPWAN-Netze (LoRaWAN, NB-IoT, LTE-M) sind zum universellen Transportmedium für städtische Telemetrie und Steuerung geworden: von adaptiver Beleuchtung und Drucküberwachung im Wassernetz bis hin zur Füllstandskontrolle von Containern, Luftqualitätsmessung und prädiktiver Instandhaltung städtischer Anlagen. Der Hauptnutzen liegt nicht in einer einzelnen Funktechnik, sondern darin, dass sie eine kostengünstige und skalierbare Datenerfassung ermöglicht unddiese Daten anschließend in Managemententscheidungen und verifizierbare KPIs überführt.

Von der Ablesung zur operativen Effizienz

LPWAN ist die perfekte Lösung für die Grundaufgabe der regelmäßigen, energieeffizienten Erfassung von Messwerten aus verteilten Knote. Auf dieser Datenbasis entstehen für Städte qualitativ neue Möglichkeiten. Stündliche Verbrauchsprofile und ereignisbasierte Telemetriereihen werden mit Geodaten und Betriebsprozessen verknüpft. So können Fachabteilungen proaktiv handeln:

  • Wasserdruck wird reguliert, bevor es zu einem Wasserschlag kommt;
  • Beleuchtung wird in Zeiten geringer Aktivität gedimmt und hält dennoch das Sicherheitsniveau ein;
  • der Entsorgungsdienst fährt dorthin, wo Container tatsächlich gefüllt sind.

Wo LPWAN den größten Effekt erzielt

Wasserversorgung und Wärmenetze. Druck-, Temperatur-, Durchfluss- und Armaturenzustands-Sensoren ermöglichen den Aufbau von DMA-Zonen, die Beobachtung des „nächtlichen Atmens“ des Netzes, die Lokalisierung von Verlusten und die Vermeidung von Störungen. Gesteuerte Ventile und drehzahlgeregelte Pumpen werden nach Bedarf und nicht „nach Plan“ angepasst, was die OPEX direkt senkt und die Lebensdauer von Leitungen verlängert.

Straßenbeleuchtung. Controller und Bewegungssensoren schalten auf adaptives Dimmen um: „Licht nach Bedarf“ reduziert den Stromverbrauch und die Lichtverschmutzung ohne Sicherheitskompromisse. Treiber- und Phasenspannungs-Telemetrie unterstützt prädiktive Wartung und verringert Einsatzfahrten.

Abfallwirtschaft und Stadtservice. Füllstandssensoren helfen, Routen so zu planen, dass nur notwendige Punkte angefahren werden. Dieselben Netze unterstützen die Überwachung von Haltestellen, Parkplätzen, Stadtinventar sowie Sport- und Spielplätzen. Somit ersetzt eine einheitliche Karte den „Rundgang“.

Umwelt und Sicherheit. Günstige batteriebetriebene Knoten erfassen Lärm, Feinstaub, Stickstoffemissionen, den Pegel in Regenwasserkanälen sowie Klappen- und Lüftungszustände in Unterführungen. LPWAN bietet flächendeckende Versorgung dort, wo Mobilfunk teuer oder instabil ist: Keller, Schächte, Metallschränke, Industrieareale.

Kommunale Liegenschaften und soziale Infrastruktur. Die Überwachung von Raumklima, Verbräuchen, Türöffnungen, Lüftungs- und Heizhäuser-Betrieb steigert die Energieeffizienz von Gebäuden und reduziert Beschwerden. Dies gilt insbesondere in Schulen, Polikliniken und Mehrfamilienhäusern.

Ökonomie: Wo direkte und indirekte Effekte entstehen

Der LPWAN-Ansatz verändert die Kostenstruktur. Investitionen werden schrittweise skaliert: von der Pilotzone bis zur Stadtweite, ohne flächendeckende Modernisierung. OPEX sinkt durch den Verzicht auf Massenablesungen, weniger Störungseinsätze, optimierte Energie- und Wasserbeschaffung, kürzere MTTR sowie „gestreckte“ Grundinstandsetzungen dank prädiktiver Analytik. Neben direkten Einsparungen erhält die Organisation korrekte Zeitreihen für die nichtfinanzielle Berichterstattung – sowohl gemäß ESG-Standards (Environmental, Social, Governance) als auch gemäß CSRD (EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung): stündliche CO₂e-Werte, der Anteil nicht erfasster Verluste und die Energieaufwände pro erbrachter Leistungseinheit.

Daten, die „arbeiten“: von Telemetrie zu Steuerung

Den Ausschlag geben nicht „die Geräte“, sondern Datendisziplin und Integration. Metrologische Reihen werden um Netzbetriebskennzahlen ergänzt (RSSI/SNR, Anteil erfolgreicher Uplinks, Lieferverzögerungen, Batteriestatus), sodass Verbrauchsanomalien von Funkkanalproblemen unterschieden werden können. Lastprofile und Ereignisflags (Leckage, Rückfluss, Gehäuseöffnung, Überhitzung, Spannungseinbruch) fließen automatisch in BI-, SCADA- und GIS-Sichten, wo Alarme, Einsatzaufträge mit Geokoordinaten sowie Steuerungsszenarien erzeugt werden (PRV-Sollwert ändern, Pumpenstarts verschieben, Beleuchtungshelligkeit im Abschnitt reduzieren).

Sicherheit und Compliance „by default“

Moderne LPWAN-Netze unterstützen Ende-zu-Ende-Kryptografie (getrennte Netzwerk- und Applikationsschlüssel, AES-128), dynamische Sitzungsschlüssel (OTAA), TLS zwischen Gateways und Backend, Segmentierung, RBAC/MFA und unveränderliche Ereignisprotokolle. Diese Praktiken erleichtern Audits, senken Regulierungsrisiken und stärken das Vertrauen der Bevölkerung in digitale Messung und städtische Services.

Skalierung ohne „Schnittstellenrisiken“

Einheitliche LPWAN-Ökosysteme minimieren Integrationsbrüche: Funkmodule, Gateways und Managementplattform arbeiten mit abgestimmten Profilen, APIs sind offen für Billing, ERP/SCADA, GIS und Analytics. Das beschleunigt den Übergang vom Pilot zur produktiven Fläche und gewährleistet Reproduzierbarkeit zwischen Stadtteilen und Städten.

Praktische Roadmap der Einführung

  1. Pilot + Baseline. Für den Start genügen 200–300 Knoten, 1–2 Gateways in einer repräsentativen Zone (Wasser/Licht/Umwelt). Festlegung der Ausgangs-KPIs: Anteil erfolgreicher Uplinks, Vollständigkeit/Termintreue der Daten, Reduktion von Leckagen/Stromverbrauch, Reaktionszeit.
  2. Standardisierung. Typisierte Übertragungsprofile, Montagepläne, Metrikkataloge, SLAs für Zustellung/Verarbeitung, Cyber-Policies.
  3. Skalierung. Ausbau der Abdeckung, Anschluss neuer Geräteklassen, „Risikopanels“, prädiktive Modelle, MRV/ESG-Berichterstattung.

Worauf bei der Plattformwahl zu achten ist

  • Vorhandensein von Ende-zu-Ende-Sicherheit und Schlüsselmanagement
  • Unterstützung flexibler Profile und ereignisbasierter Telemetrie
  • Integrationen (SCADA/ERP/GIS/BI) und offene APIs
  • Monitoring der Datenqualität (completeness/timeliness/plausibility) und des Netzes (RSSI/SNR, PER, Batterie)
  • Skalierbare Speicherarchitektur und Dashboards für unterschiedliche Rollen.

 

LPWAN ist das „Nervensystem“ der städtischen Automatisierung, das heterogene Assets in einen steuerbaren Regelkreis verbindet. Dank niedriger Anschlusskosten, langer Batterielaufzeit und belastbarer Integrationen erzielen Städte messbare Einsparungen, moderne bürgerfreundliche Dienste sowie transparente Berichte für Aufsichtsbehörden und Investoren. Die Technologie umfasst längst weit mehr als reine Zählerablesung: Sie ermöglicht ein nachhaltiges Infrastrukturmanagement, bei dem jede Entscheidung datenbasiert ist und jede Kilowattstunde, jeder Kubikmeter und jede Gigakalorie plan- und steuerbar wird.

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